JULIUS VON BISMARCK. Alles und keines
Was er produziert ist technisch ebenso ausgeklügelt wie ideenreich, sozial intervenierend, gesellschaftskritisch und es erstaunt zugleich. Ein Portrait des Künstlers Julius von Bismarck.
Seine Arbeiten sind Erfindungen, die Technik und Software zu meist interaktiven Kunstwerken verbinden. Für manche, sagt Julius von Bismarck, ist er ein Designer, für andere ein Künstler, für dritte wiederum ein erfindungsreicher Aristokrat.
Erfolg hat er mit seinen Arbeiten, egal in welchen dieser Zuschnitte man ihn zwängt, denn was er produziert ist technisch ebenso ausgeklügelt wie ideenreich, sozial intervenierend, gesellschaftskritisch und es erstaunt zugleich.
Insbesondere sein Image Fulgurator aus dem Jahr 2008 bahnt sich den Weg durch die Bloggingbeiträge der vernetzten Welt. Image Fulgurator nennt er seinen "Apparat zur minimal-invasiven Manipulation von Fotografien". Anders gesagt handelt es sich dabei um einen umgekehrt funktionierender Fotoapparat, der aussieht wie eine Pistole und Bilder nicht auf den eigenen Lichtsensor, sondern auf die Sensoren und damit auf die Wirklichkeitsabbilder fremder Apparate bannt. Beispielsweise hat er damit während Barack Obamas Auslandswahlkampf-Auftritt an der Berliner Siegessäule mit seinem Bilderwerfer ein leuchtendes Kreuz auf dessen Rednerpult und damit in die Fotoaufnahmen anwesender Pressefotografen geworfen oder am Platz des himmlischen Friedens eine Friedenstaube auf die von anderen geschossenen Fotos des Maoportraits platziert. Im Jahr 2008 hat Julius von Bismarck für seinen Bilderwerfer den Prix Ars Electronica für interaktive Kunst erhalten.
Der Top Shot Helmet und der Fühlometer, der auf einem Gasometergebäude in Berlin in Form eines Smileys die von den Gesichtern von Straßenpassanten abgelesene Grundstimmung der Berliner Bevölkerung präsentierte sind zwei vorausgegangene interaktive Projekte des in Berlin lebenden Künstlers. The perpetual Storrytelling ist sein jüngster künstlerischer Wurf. Das ununterbrochen fortdauernde Geschichtenerzählen, so lautet eine Grundüberlegung dieses Kunstwerks, geht erzählerisch nahtlos vom einer Sache zur anderen, von einem Detail ins nächste über. Julius von Bismarck hat eine Software samt dazugehörigem Endlospapier-Drucker entwickelt, die sich, gefüttert von den in der Patentamt-Datenbank gesicherten Erfindungen und ihren Details, von einer patentierten Erfindung zur nächsten über sämtliche dazwischen liegenden Patentschritte hantelt und diesen Erfindungszusammenhang auf Endlospapier zu einer ununterbrochenen Detailgeschichte fügt. Dass ein beträchtlicher Teil der Dinge, mit denen wir es Tag für Tag zu tun haben, in diese Patentgeschichte verstrickt ist, wird einem beim Geschichtenerzählen ebenso vor Augen geführt, wie der Umstand, dass die Erfindung ohne Unterlass von einer von Besitzdenken und Kommerzialisierung durchzogenen Welt erzählt. (Text: Wolfgang Haas)
http://juliusvonbismarck.com/Das könnte Sie auch interessieren
ROBERT MOTHERWELL. Pure Painting
1. November 2023
MICHAEL SCHEIERL. Typologien des Unsichtbaren
27. Dezember 2014
ALFREDO BARSUGLIA. Take on me
18. November 2019
OSCAR BRONNER. Der Maler
31. Oktober 2013
EDUARD ANGELI. "Nine Turkish Gentlemen" – Die Istanbuler Jahre 1967-1973
25. Jänner 2024
MAN RAY. Unbekümmert aber nicht gleichgültig
27. Februar 2018
EDVARD MUNCH. Liebe, Tod und Einsamkeit
7. Oktober 2015
