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SOS BRUTALISMUS. Rettet die Betonmonster!

Kategorie: Architektur, Ausstellung 5. Mai 2018

Der Brutalismus ist wohl einer der meistgehassten Baustile der Architekturgeschichte. Béton brut, Sichtbeton, ist der Ursprung des Begriffs Brutalismus. Diese Architektur sollte aber nicht brutal, sondern brut sein: roh, ungekünstelt und wahrhaftig. Sein Hauptmaterial war deshalb der Beton, unverputzt und ungestrichen, oft an Felsformationen erinnernd.

Das Architekturzentrum Wien widmet sich bis 6. August unter dem Titel „SOS Brutalismus – Rettet die Betonmonster“ diesem lange diskreditierten Architekturstil. Diese erste umfassende Zusammenschau zu diesem Thema wurde zuvor im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt gezeigt und ist nun auch im Architekturzentrum Wien zu sehen, erweitert mit österreichischen Beispielen aus dem hauseigenen Archiv, kuratiert von Sonja Pisarik.

Neben zahlreichen Fotos, Skizzen und Originalplänen gibt es in der Schau große Modelle aus Karton und auch Betongüsse der Bauten zu sehen.

Brutalistische Architektur entstand zwischen 1953 und 1979 auf allen Kontinenten,
als globales Phänomen, auch über ideologische Grenzen hinweg, im Westen ebenso wie im Ostblock oder der dritten Welt.

Es war eine Ära des Zukunftsoptimismus, der ästhetischen Experimente und des gesellschaftlichen Aufbruchs. Vor allem waren es öffentliche Bauten wie Schulen, Universitäten, Krankenhäuser, Verwaltungszentren oder Wohnanlagen, die in diesem Stil von kommunalen Auftraggebern errichtet wurden.

Viele dieser Großbauten aus Sichtbeton wurden allerdings nur Jahrzehnte nach ihrer Entstehung bereits abgerissen, sie wurden lange Zeit als Bausünden verurteilt, dem Verfall preisgegeben oder demoliert. Von Gegnern als Monsterbauten und Betonklötze abqualifiziert, werden sie ebenso intensiv geliebt wie abgelehnt. Für manche ist diese konsequente Sichtbetonoptik einfach nur hässlich, die Bauten gelten aber häufig auch als technisch veraltetet und werden daher im Vergleich zu Gebäuden aus anderen Epochen der Architekturgeschichte rücksichtsloser abgerissen.

Nicht nur die ästhetische, sondern auch die architektonische und gesellschaftliche Relevanz dieser Bauten aus rohem Sichtbeton hat jedoch in jüngster Zeit eine neue Wertschätzung erfahren. Einige sind aber immer noch akut vom Abriss bedroht – auch in Österreich.
Unter dem Schlagwort Brutalismus bildeten sich Initiativen, die internationale Kongresse und Ausstellungen abhalten, auch zahlreiche Bildbände sind erschienen. Was zunächst als Steckenpferd unter Architekturspezialisten begonnen hatte, ist mittlerweile zu einer internationalen Bewegung geworden.
Die Online-Initiative #SOSBrutalism hat weltweit über 1000 Gebäude in einer Datenbank gesammelt und nach ihrem Gefährdungsstatus geordnet, wie bedrohte Tierarten - denn immer mehr Architekturfreunde wollen die expressiven Betonkolosse vor dem Abriss retten.
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Das in der Ausstellung gezeigte Kongresszentrum in Bad Gastein von Gerhard Garstenauer (1974) steht beispielsweise seit 2007 leer und verfällt langsam. Karl Schwanzers Internatsturm in St. Pölten (1972) wurde bereits vor Jahren abgerissen, so wie auch die Wohnanlage Robin Hood Gardens (1972) in London, entworfen von den Brutalismus-Miterfindern Alison und Peter Smithson.

Der bildhauerische Charakter des Brutalismus zeigt sich in der Architekturzentrum Wien -Schau besonders anhand der Pfarrkirche in Oberwart von Eilfried Huth und Günther Domenig (1969), so wie auch bei Karl Schwanzers „horizontaler Skulptur“, dem Wifi-Gebäude in St. Pölten (1972). Unter den weiteren österreichischen Beispielen ist die Wiener Wotrubakirche (1976) wohl das Bekannteste.

Das Schicksal des Kulturzentrums Mattersburg von Herwig Udo Graf (1976), einem nutzerfreundlichen Bau im Geiste sozialdemokratischer Bildungspolitik, ist ebenfalls ungewiß, es existiert aber schon eine Initiative für seine Erhaltung.

Wie Architekturzentrum Wien Kuratorin Sonja Pisarik betont, „ist es wichtig, diese Bauten auch als kulturelles Erbe zu begreifen. Wenn die Architektur verschwindet, verschwinden auch die gesellschaftlichen Bezüge." (Text: Cem Angeli)

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