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LISELOT VAN DER HEIJDEN. Der Blick im Visier

Kategorie: Porträt 3. Juni 2009

Wir leben in einem visuellen Zeitalter. Was wir unternehmen, wird häufig davon bestimmt, was wir zu sehen bekommen – in Galerien, Kinos oder im Zoo. Obwohl wir in einer überwachungsstarken Zeit leben bleiben unsere Blicke jedoch häufig unhinterfragt. Wir jagen Bildern nach, die unseren Erwartungen und Konzepten von Schönheit oder Natur entsprechen oder schlicht beachtenswert erscheinen. Unsere Augen sind darauf trainiert, auszusieben und dasjenige festzuhalten, das für uns Bedeutung hat und mit anderen geteilt werden kann.

Natürlich, manchmal werden Blickgewohnheiten auch hinterfragt. Aber sind wir hinsichtlich unserer Sichtweisen kritisch genug, wenn wir Blickkonzepte mit dem Ziel zerbrechen, nicht in vorgefertigte voyeuristische Fallen zu tappen, wenn wir als Individualreisende ausgetretenen Pfade verlassen wollen und verlangen, niemand dürfe in der Position des "anderen" erstarren, weil anstarren unhöflich ist?

Seit es Kunst und Künstler gibt, gibt es auch jene, die sich Kunst ansehen. Kunst bietet die Chance gewohnte Blickpositionen zu verlassen und Dinge anders zu sehen. Reflexion wird dabei oft zur Selbstreflexion, der Betrachter zum Betrachter seiner selbst. In ihrer Arbeit erforscht die Künstlerin Liselot van der Heijden unsere visuellen Positionierungen. In ihre kompakten, reduzierten und zugleich vielschichtigen visuellen Installationen ist der Betrachter stets integriert, dabei kann das Verständnis von Sehen als passivem Akt nicht bestehen bleiben.

Natur spielt einen gewichtige Rolle in der Kunst van der Heijdens. Arbeiten, in denen sie sich eines Archivs aus Naturdokumentationen, Rundfahrten und Filmmaterial bedient, erinnern uns ständig daran, dass unsere Sicht dessen, was wir als natürlich empfinden, perspektivisch ist, etwas an dessen Konstruktion wir beteiligt sind und das wir mit unseren Intentionen durchziehen. In Ausstellungen wie "Aporia", die den Betrachter mit einer in die Länge gezogenen Version der letzten Atemzüge eines Zebras konfrontiert, "Primate Visions", in der die vierte Wand von Zoogehegen niedergerissen wird, oder "Natural History", in welcher die Beobachter der Diaramas des New Yorker Naturgeschichtlichen Museums unbewusst Leben in lebensechte Figuren projizieren, erscheint die Vermenschlichung der Welt gegenüber der weitaus komplexeren Verhältnismäßigkeit zwischen Natürlichem und Unnatürlichem als angestaubtes Konzept.

Geboren und aufgewachsen ist Liselot van der Heijden in den Niederlanden. Seit ... Jahren lebt sie in New York, wo sie ihre Irritation während der Bush Administration in ihre Arbeiten einfließen ließ. Kurz nach 9/11 als Ari Fleischer Amerikaner eindringlich warnte "darauf zu schauen was wir sagen" warf van der Heijden einen wachsamen Blick auf Bush, indem sie zwei seiner Reden an die Nation, in einem Video auf die darin enthaltenen Schlagworte "America" und Phrasen "das Böse ist real" und "Gott ist nah" reduzierte und mit dem lang anhaltenden Beifall der Zuhörer und –seher vermischte.

Nachdenken über Vermittlung und Komplizenschaft führt zum Nachdenken über Politik und van der Heijdens kritische Ablehnung der Beobachterposition kann, in diesem Fall, auch auf Bürger angewandt werden. (Text: Janima Nam / Wolfgang Haas)

https://www.liselot.info/


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