ANUPAMA KUNDOO. Reichtum statt Kapital
Was bedeutet es, zu bauen, ohne Menschen, Natur oder Ressourcen auszubeuten? Die Ausstellung Anupama Kundoo. Reichtum statt Kapital im Architekturzentrum Wien nimmt diese Frage als Ausgangspunkt und widmet sich dem Werk einer der visionärsten Architektinnen Indiens. Im Gespräch mit der Architektin Anupama Kundoo, der Direktorin des Az W Angelika Fitz und der Kuratorin Elke Krasny eröffnet der Film eine tiefgehende Auseinandersetzung mit einer Architektur, die Reichtum neu definiert – nicht als Anhäufung von Kapital, sondern als Wissen, Bewusstsein und menschliche Gestaltungskraft.
Geboren 1967 in Mumbai, entschied sich Anupama Kundoo früh für einen unkonventionellen Weg. Statt sich dem aufstrebenden urbanen Bausektor anzuschließen, ging sie nach Auroville in Südindien, wo sie eine Architektur entwickelte, die auf Experiment, Gemeinschaft und Verantwortung basiert. Ihre dort entstandenen Arbeiten – vom berühmten Wall House bis zu innovativen, einfachen Bauweisen – zeigen, wie lokale Materialien und handwerkliches Wissen technische Raffinesse und soziale Sensibilität verbinden können.
Kundoos Praxis verweigert jede Nostalgie, während sie zugleich die in der Handwerkskunst verborgene Intelligenz neu belebt. Ein Ziegelstein, so erinnert sie uns, ist nie einfach nur ein Ziegelstein – er trägt Geschichten von Arbeit, Gewinnung und Transformation in sich. Ihre Architektur fordert uns auf, Materialität als Dialog zwischen menschlichen und natürlichen Ressourcen zu verstehen, zwischen technischer Präzision und der Poesie des Herstellens.
Angelika Fitz und Elke Krasny rahmen diesen Ansatz als „radikale Alternative jenseits der Logik des Kapitals“ – als Vision von Reichtum, die die Mythen von Knappheit und Wachstum infrage stellt, auf denen unsere gegenwärtigen Systeme beruhen. Die Ausstellung – und dieser Film – laden dazu ein, Architektur nicht nur anders zu sehen, sondern auch anders zu erleben: durch 1:1-Rekonstruktionen, Materialproben und Raumerfahrungen, die zwischen Öffentlichkeit und Intimität oszillieren und Kundoos Verständnis von Architektur als Praxis von Frieden, Neugier und Großzügigkeit verkörpern.
Dieser Film bietet einen tiefen Einblick in das Werk und Denken einer Architektin, die sich entschieden hat, nicht für das Kapital zu bauen, sondern für den Menschen.
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