FASZINATION PAPIER. Träger und Akteur
Papier ist eines der vertrautesten Materialien der Kunst – und zugleich eines der überraschendsten. In der Ausstellung „Faszination Papier“ entfaltet sich dieses Medium nicht als bloßer Träger von Bildern, sondern als eigenständiger Akteur: wandelbar, sinnlich, fragil und von erstaunlicher Ausdruckskraft. Im Ausstellungsfilm führen die Albertina Kuratorinnen Elsy Lahner, Katharina Hövelmann und Eva Michel durch ausgewählte Höhepunkte einer Schau, die bewusst mit Erwartungen bricht.
Erstmals wurden Werke aus unterschiedlichen Sammlungen und Epochen in einem gemeinsamen Parcours zusammengeführt. Alte Meister treffen auf zeitgenössische Positionen, kostbare Einzelblätter auf spielerische Objekte, intime Formate auf raumgreifende Papierarbeiten. Viele der gezeigten Werke waren bislang kaum oder noch nie öffentlich zu sehen – und eröffnen neue Blickachsen auf ein Material, das Kunstgeschichte geschrieben hat.
Der Film macht sichtbar, wie Papier Raum erobert: etwa in einem außergewöhnlichen, 26 Meter langen japanischen Leporello aus dem 19. Jahrhundert, dessen leuchtende Farbholzschnitte Szenen aus dem „Genji Monogatari“ erzählen – einem der frühesten psychologischen Romane der Weltliteratur. Hier wird Papier zur erzählerischen Landschaft, die man nicht nur betrachtet, sondern abschreitet.
Ein weiterer Fokus liegt auf dem Selbstbildnis, auf dem „Ich im Papier“. Rembrandts radierte Selbstporträts begegnen zeitgenössischen Arbeiten, die Fragen von Identität, Körper und Selbstwahrnehmung neu verhandeln. Die unmittelbare Nähe der Blätter lässt erkennen, wie intensiv Papier Gedanken, Zweifel und Emotionen aufnehmen kann – oft in kleinsten Formaten, aber mit großer Wirkung.
Bewegung, Täuschung und Zusammensetzung sind weitere Leitmotive. Historische Klappobjekte, frühe Bildmaschinen und satirische Darstellungen stehen Arbeiten gegenüber, in denen Papier performativ wird oder politische Geschichte einschreibt. Besonders eindrücklich zeigt sich dies in Werken, die aus vielen Einzelteilen ein Ganzes formen – bis hin zu textbasierten Zeichnungen, in denen Papier zum Träger kollektiver Erinnerung und individueller Schicksale wird.
Der Ausstellungsfilm lädt dazu ein, Papier neu zu denken: als Material, das berührt, irritiert, täuscht und verbindet. Er eröffnet Zugänge zu einer Ausstellung, die weniger erklärt als erfahrbar macht – und zeigt, wie viel Welt sich in einem scheinbar einfachen Blatt Papier entfalten kann.
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