FASZINATION PAPIER. Albertina Generaldirektor Ralph Gleis über die erstaunliche Vielfalt eines fragilen Mediums
Mit Faszination Papier richtet die Albertina den Blick zugleich nach innen und nach außen: in eine Sammlung von über einer Million Werken auf und aus Papier – und auf ein Medium, dessen künstlerisches Potenzial bis heute überrascht. In diesem Ausstellungsfilm erzählt Generaldirektor Ralph Gleis, wie aus Neugier ein Ausstellungskonzept entstand und aus Entdeckungen eine neue Perspektive auf die eigene Sammlung.
Zu Beginn seiner Tätigkeit an der Albertina stellte Gleis jeder Kuratorin und jedem Kurator eine einfache Frage: Was ist das interessanteste, seltsamste, größte oder kleinste Objekt in Ihrem Sammlungsbereich? Die Antworten offenbarten eine unerwartete Fülle und wurden zum Ausgangspunkt einer Ausstellung, die sich bewusst über Epochen und Gattungen hinweg bewegt. Faszination Papier ist kein klassischer Überblick, sondern eine Einladung, das Medium Papier in all seinen Erscheinungsformen neu zu entdecken.
Ein kleines, rätselhaftes Objekt aus dem 15. Jahrhundert – ein geschnittenes Herz aus Papier – steht beispielhaft für diese Denkweise. Seine überraschende Nähe zu einer modernen Bildsprache führt zu neuen Fragen, neuen Verbindungen und zu Dialogen zwischen Werken, die Jahrhunderte trennen. Immer wieder zeigt sich, wie sehr das Experiment mit Papier ein durchgehendes Moment der Kunstgeschichte ist.
Die Ausstellung ist als offener Parcours konzipiert, der auch die Besucherinnen und Besucher in Bewegung bringt. Man steigt Stufen hinauf, um auf einen Stadtplan des 18. Jahrhunderts zu blicken, legt sich nieder, um einen Papierhimmel von Anselm Kiefer zu betrachten, oder begegnet Formaten, die den Raum sprengen – etwa einem 26 Meter langen japanischen Leporello, der eine völlig neue Präsentationsform erforderte. Zwischen klein und groß, alt und neu, fragil und konstruktiv entfaltet sich die Vielfalt des Materials.
Besonders ungewöhnlich ist die Möglichkeit, Papier auch haptisch zu erfahren. Anhand von Faksimiles darf berührt, gefaltet, aufgeklappt und gespielt werden – so, wie viele dieser Objekte ursprünglich gedacht waren. Diese aktive Auseinandersetzung macht Papier als Material unmittelbar erfahrbar und verleiht dem Museumsbesuch eine seltene physische Dimension.
Als Beitrag zum 250-jährigen Jubiläum der Albertina verbindet Faszination Papier Rückblick und Ausblick. Neben Dürer und japanischen Farbholzschnitten sind gezielt erworbene zeitgenössische Arbeiten zu sehen, die zeigen, dass Papier kein historisches Relikt ist, sondern ein lebendiges Medium mit Zukunft. Ralph Gleis’ Einblicke machen deutlich: Diese Ausstellung ist nicht nur eine Feier der Sammlung, sondern auch ein Versprechen, sie weiterzudenken.
https://www.albertina.atDas könnte Sie auch interessieren
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