GÖTZ BURY. Illusions
Kunst kann Medienkritik sein und Medienkritik kann Spaß machen, das jedenfalls lehrt die Kunst des Traumfabrikanten Götz Bury. In seiner Traumfabrik produziert der Künstler Prototypisches aus den Bilderlandschaften der Medienwelten nach. Vom Truthahn servierenden Präsidenten im Kampfanzug über die Protagonisten der Achse des Bösen - mit und ohne Kalaschnikow. Vom Urlaub unter Palmen bis zur Dokumentation des Lebens im Neandertal oder sonst wo auf der Welt.
Die Requisiten medialer Wirklichkeitsstereotypie entstehen in der Werkstatt des Künstlers aus Blech, Pappe und Holz und werden von den Besuchern der Traumfabrik unter hohem gestischen und mimischen Eigeneinsatz reinszeniert. Erlebbar werden dadurch die Kompositionen der Wirklichkeitsbilder ebenso wie die Skurrilität der Übertreibung, der sich die einfache Entzifferbarkeit der medial dargebotenen Realität verdankt.
Was Anspruch auf Wirklichkeit oder gar Geschichte haben will muss mediengerecht ins Bild gerückt, d. h. grotesk überzogen werden. So wie uns Radiomoderatoren durch Anstieg der Stimme, beschleunigtes Sprechtempo und übermäßige Klangmelodie professionell simulieren, dass die Laune gut ist, wird Freude über den Bildschirm erst dann leicht fassbar, wenn in einem Ausmaß gesichtsverzerrend gelächelt wird, das bereits schmerzt.
Wer in der Traumfabrik zu Besuch war erhält vom Künstler ein Foto seiner Selbstinszenierung mit auf den Heimweg und ein Stück Gewissheit, dass Realität ein surrealer Traum ist und wer sich da Illusionen macht, naiv. (Text: Wolfgang Haas)
Das könnte Sie auch interessieren
ÜBER TOURISMUS. Vom Reisen und seinen Auswirkungen auf Klima, Landschaft, Infrastruktur und Gesellschaft
22. April 2024
CLEMENS HOLLERER. The Beauty of the Beast
24. Juli 2014
ALBERTINA TOURS & TALKS: Hubert Scheibl und Antonia Hoerschelmann führen durch die Ausstellung
29. November 2021
JULIAN SCHNABEL. Polaroids in der Galerie OstLicht
26. Juni 2018
ANDREAS WERNER. Hauptpreisträger STRABAG Artaward International 2022
25. Oktober 2022
ESRA ERSEN. Interview anlässlich der tanzimat Ausstellung
5. Februar 2010
MICHAEL SCHEIERL. Typologien des Unsichtbaren
27. Dezember 2014
