HEIDI POPOVIC. Das unspektakuläre Leben
Der kleine Superheld Superrobbie, er hat die Statur einer Playmobilfigur, blickt zusammen mit den anderen kleinen Mitstreitern von einer Tapete, die uns – ganz Kinderzimmerästhetik – in fröhlichen Grundfarben entgegenstrahlt. Umgeben von schnuckeligen Entchen nimmt sich der kleine Superrobbie ein Vorbild an der Wirklichkeit. Er hat eine Pistole in der Hand. Vor ihm niedergestreckt tote Lehrer, ebenfalls in Playmobilstatur. Seine Wirklichkeit trägt den Namen Erfurt.
Christian Pölzler schafft unter dem Markennamen Heidi Popovic Kunst, die auf den ersten Blick zynisch wirken kann, es aber nicht ist. In Posterillusionen des Pop, in dekorativen Mustern Salon gestaltender Tapeten, in Reklamen einer Werbewelt, die uns verspricht, dass alles in bester Ordnung ist, birgt Christian Pölzler Illusionsverlust und tagespolitische Apokalypse. Im Stil erscheinen Erfurt, Enschede, 9.11, fünfzig Jahre Contergan in den Arbeiten des Künstlers wie Antworten auf die Frage "What's new, Pussycat?" Aber Pölzlers Kunstmischung meißelt an gesellschaftlich neurotischen Verniedlichungsformen anders als Woody Allen. Seine bildsprachliche Mischung vom Wahnsinn, der uns normal geworden ist, hat eine in ihrer Deutlichkeit an Thomas Bernhard erinnernde Kraft. Pölzler schafft Pop-Art, die reklamiert. (Text: Wolfgang Haas)
Das könnte Sie auch interessieren
ANDY WARHOL BIS DAMIEN HIRST. The Revolution in Printmaking
3. März 2023
CRITICAL CARE. Architektur für einen Planeten in der Krise
27. Mai 2019
SIGMUND FREUD MUSEUM 2020
7. November 2017
MARTIN KIPPENBERGER. Seine Sprache, seine Kunst
27. September 2016
MARINA ABRAMOVIC. Kunst der Gegenwärtigkeit
18. November 2025
AHMET ORAN. “Wien-Istanbul” bei C.A. Contemporary in Wien
6. September 2018
ALBERTINAmodern. Ein neues Museum entsteht
7. November 2019
