INDAH ARSYAD. The Ultimate Breath
Was bedeutet es, zu atmen — in einer Welt, in der Sauerstoff, Umwelt und Zukunft keine Selbstverständlichkeit mehr sind?
Mit The Ultimate Breath bringt die indonesische Künstlerin Indah Arsyad eine ebenso poetische wie dringliche Multimedia-Installation ins Weltmuseum Wien, die persönliche Erfahrung, wissenschaftliche Daten und jahrhundertealte Mythologien miteinander verwebt.
Ausgangspunkt der Arbeit ist ein zutiefst körperliches Erlebnis: Arsyads eigene COVID-Erkrankung im Jahr 2020, in der das Atmen plötzlich zur existenziellen Frage wurde. Aus dieser Erfahrung heraus entwickelte sie eine künstlerische Recherche, die das Fragile des Atems mit dem Zustand unseres Planeten verbindet. In Zusammenarbeit mit der indonesischen Nationalen Forschungsbehörde und Meereswissenschaftler:innen untersuchte sie Umwelt- und Klimadaten — insbesondere die zunehmende Verschmutzung der Meere — und übersetzte diese in eine vielschichtige, sinnliche Installation.
Arsyads Arbeit speist sich aus unterschiedlichen Wissenssystemen. Als ausgebildete Landschafts- und Umweltarchitektin bringt sie einen präzisen Umgang mit Daten, Sensoren und Echtzeitmessungen mit. Gleichzeitig greift sie auf die javanische Mythologie zurück — insbesondere auf das Wayang kulit, das traditionelle Schattentheater, und das Symbol des Gunungan, das für kosmische Ordnung, Übergang und Transformation steht. Diese Mythologien sind für Arsyad keine historischen Relikte, sondern lebendige Denkmodelle, die bis heute den Alltag, Rituale und das Weltverständnis der javanischen Gesellschaft prägen.
In The Ultimate Breath begegnen sich diese Ebenen auf Augenhöhe: mythologische Symbole stehen neben mikroskopischen Aufnahmen, Klang, Licht und Echtzeitdaten. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verschränken sich zu einem offenen Denkraum, in dem Technologie nicht als Gegenpol zur Spiritualität erscheint, sondern als Spiegel und Gesprächspartner.
Der Film begleitet Indah Arsyad und Claudia Banz, Direktorin des Weltmuseum Wien, durch diese Installation und reflektiert zugleich eine grundsätzliche museale Haltung. Für Banz steht die Ausstellung exemplarisch für das Programm WMW Contemporary: ein Plädoyer dafür, ethnologische Sammlungen nicht als abgeschlossene Archive zu begreifen, sondern als lebendige Wissensräume. Gerade angesichts globaler Fragen wie Klima, Erinnerung und Identität zeigt sich hier die zeitgenössische Relevanz eines Museums, das unterschiedliche Perspektiven zulässt und miteinander ins Gespräch bringt.
The Ultimate Breath lädt nicht nur zum Sehen, sondern zum Erfahren ein. Die Besucher:innen werden Teil eines atmosphärischen Raums, der Wahrnehmung schärft und Fragen stellt: Wie atmen wir? Wie leben wir? Und welches Wissen brauchen wir, um unsere Beziehung zur Erde neu zu denken?
https://www.weltmuseumwien.atDas könnte Sie auch interessieren
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