PICASSO – BACON. Wie es sich anfühlt Mensch zu sein
Was bedeutet es, Mensch zu sein? Pablo Picasso und Francis Bacon haben diese Frage auf radikal unterschiedliche Weise in ihren Bildern verhandelt. Beide zählen zu den bedeutendsten figurativen Malern des 20. Jahrhunderts. Beide haben die Darstellung des menschlichen Körpers grundlegend verändert. Und doch liegen zwischen Picassos oft tänzerisch anmutenden Figuren und Bacons verstörenden, zerfließenden Körperwelten Welten. Was verbindet diese beiden Künstler – und wie tief reichen die Spuren, die Picasso in Bacons Werk hinterlassen hat?
Die Ausstellung in der Albertina macht eine Beziehung sichtbar, die weniger selbstverständlich ist, als es zunächst scheint. Im Zentrum steht dabei ein Picasso, der in der öffentlichen Wahrnehmung oft hinter dem lebensfrohen, farbgewaltigen Maler seiner späteren Jahre zurücktritt: der surrealistische Picasso der Jahre 1925 bis 1930. In dieser Zeit begann er, den menschlichen Körper zu zerlegen und aus seinen Fragmenten neu zusammenzusetzen. Für den jungen Francis Bacon wurde diese Malerei zu einer entscheidenden Inspiration. Während Picasso den Körper gleichsam architektonisch neu konstruierte, ließ Bacon ihn zerfließen, verzerrte und verwandelte ihn in einen Ausdruck existenzieller Erschütterung.
Beide Künstler suchten nach einer Bildsprache, die dem Menschen in seiner ganzen Widersprüchlichkeit gerecht werden konnte. Wie lässt sich Menschlichkeit darstellen nach den Katastrophen des 20. Jahrhunderts, nach Krieg, Gewalt und dem Zerbrechen vertrauter Gewissheiten? Picasso und Bacon fanden darauf unterschiedliche Antworten. Picassos Figuren können von Sinnlichkeit, Begehren und Lebensfreude erzählen, aber ebenso von Schmerz und Zerstörung. Bei Bacon werden Körper zu Schauplätzen von Angst, Schuld und innerer Anspannung. Seine Bilder lassen uns nicht unberührt, weil sie etwas sichtbar machen, das sich einer eindeutigen Erklärung entzieht.
Wie unmittelbar Picasso auf Bacon wirkte, zeigt sich nicht nur in der grundlegenden Auffassung des menschlichen Körpers, sondern auch in konkreten Bildmotiven. Die Ausstellung eröffnet überraschende Zusammenhänge zwischen einzelnen Werken, zwischen Picassos vielansichtigen Porträts und Bacons Bildserien, zwischen künstlerischer Aneignung und eigenständiger Weiterentwicklung. Im direkten Gegenüber wird erkennbar, wie Bacon aus Picassos Erfindungen eine eigene, unverwechselbare Bildsprache entwickelte.
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