STANLEY KUBRICK. Eyes Wide Open
Das auf dem Schulweg gemachte Foto eines alten Zeitungsverkäufers („F.D.R. Dead!“), traurig auf die von Präsident Roosevelts Tod berichtenden Zeitungen blickend, war das erste, mit dem Stanley Kubrick, im Alter von 16 Jahren, 1945 bei “Look” als Fotograf anheuerte.
Das Bild war jedoch kein Schnappschuss, sondern sorgfältig geprobt, inszeniert und komponiert - wie von einem Regisseur. In der Konzeption seiner Fotografien zeigen sich schon erste Ansätze für das spätere filmische Schaffen eines der bekanntesten und wichtigsten Regisseure des 20. Jahrhunderts, wie Kuratorin Lisa Ortner-Kreil in dieser Ausstellung anhand zahlreicher Arbeiten Kubricks als Fotoreporter zeigt.
Das Bank Austria Kunstforum möchte mit „Eyes Wide Open“ (in Kooperation mit dem Museum of the City of New York) vor allem Kubricks fotografisches Werk in den Mittelpunkt der Diskussion rücken, denn mit diesem Aspekt seines Schaffens hatte man sich bislang noch nicht eingehend beschäftigt.
In den Jahren 1945 bis 1950 machte Kubrick rund 27.000 Aufnahmen als Auftragsfotograf für “Look”, etwa 1.000 davon wurden als essayistische Fotoreportagen publiziert.
20 dieser Essays zeigt nun das Kunstforum und führt damit Ansätze von Kubricks späterer Filmästhetik und Auffassung von Bildkomposition vor Augen. Geometrische Formen, Symmetrien, szenisch inszenierte Personen, Spiegelungen- Stilmittel, die man später auch in Kubricks Filmen wiederfindet.
Man kann in der Ausstellung die Qualität der einzelnen Bilder genießen, zeitgeschichtliche Einblicke gewinnen, aber auch nachvollziehen, wie Kubrick sein Erzählen in Bildern entwickelt. Neben den im Großformat reproduzierten Bildern sind auch Original-Hefte von „Look“ in Vitrinen ausgestellt, wo der Besucher Titel, Texte und das Layout studieren kann – in den Fotoreportagen war die Kombination mit dem redaktionellen Text eine wesentliche Komponente.
Menschenschicksale waren dabei das Hauptaugenmerk des jungen Fotografen, so porträtierte er Liebespaare, Zirkusartisten, Schauspieler, begleitete einen Schuhputz-Jungen auf der Straße, ein begütertes Ehepaar auf einer Reise nach Portugal, den Boxer Walter Cartier bei dessen Kampfvorbereitungen („Prizefighter“ 1949) – über diesen Boxer sollte Kubrick dann 1951 auch sein Regiedebüt „Day of the Fight“ drehen, diese 12-minütige Dokumentation ist dann am Ende der Ausstellung zu sehen und bildet die Verbindung zum filmischen Werk Kubricks.
Obwohl die „Look“-Reportagen einen eigenen narrativen Kosmos bilden, erlaubt das fotografische Frühwerk Kubricks Rückschlüsse auf sein späteres filmisches Werk und seiner präzise durchkomponierten Ästhetik. Man kann nachvollziehen wie ein junger Künstler in diesen Auftragsarbeiten sein Talent weiterentwickelt, seine eigene bildliche Erzähltechnik herausbildet und die Möglichkeit nützt, sich mit Bildkomposition, Atmosphäre und Timing zu beschäftigen. Die Personen und ihre Inszenierung in den Fotos kann man als Vorläufer zu diversen Filmfiguren seiner späteren Filme deuten. (Text: Cem Angeli)
https://www.kunstforumwien.at/Das könnte Sie auch interessieren
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