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WILLIAM ANTHONY. Komödie der Irrungen

Kategorie: Porträt 13. Mai 2009

Die Kunstwelt nimmt sich selbst oft ernst, sehr ernst. Nehmen wir da zum Beispiel die Stille der Ateliers, in denen pflichtbewusste Studierende ehrgeizig Aktmodelle zeichnen, oder die raffinierten Worte, mit denen in Kunstmagazinen Kunstwerke und Ausstellungen für die Leserschaft aufbereitet und seziert werden, oder die heiligen, von Wachpersonal beaufsichtigten, auf konstante Temperatur und Luftfeuchtigkeit getrimmten Hallen renommierter Museen rund um den Globus – bildende Kunst ist, so gesehen, eine Sache, bei der es wenig zu lachen gibt.

Es hat eine Zeit gegeben, in der der New Yorker Künstler William Anthony eben so Ernst genommen werden wollte. Aber dann kam der Tag, an dem er endlich zu seinen Studierenden durchdrang. Gerade hatte er seinen Studenten ein Blatt präsentiert, auf dem er anschaulich die von Anfängern begangenen klassischen "don't"s figürlicher Darstellung versammelt hatte. Als, sagt der heute 75 jährige, für ihn, den Seriösen, unerwartetes passiert sei. Die Studierenden hätten gelacht, er habe eine Seite berührt, die die jungen Künstler für sein Anliegen geöffnet habe. Von Fehlern lernen, schien ihm, das funktioniert.

Von da an beschloss der Künstler, das Fehlerhafte zu seiner Profession zu machen. Ginge es nicht um seine Sache, seine Arbeiten erschienen als Kritzelei von Kindern. Bei näherer Betrachtung zeigen sie sich als ausgetüftelter Stil, der auf vorsätzlichen Fehlern und absichtlich erkennbaren Versuchen, diese Fehler zu verbergen besteht, aber auch als ein eklektisches Set, das auf verschiedene Genres und berühmte Kunstwerke Bezug nimmt oder zeitgeschichtliche Ereignisse, die den Spott der Kunst verdienen.

Anleihe an der Pop Art nehmend, die zu dieser Zeit gerade in voller Entwicklung stand, entwickelte der Künstler nicht nur rasch einen scharfen Blick, sondern auch ein offenes Ohr für das Lächerliche. Dümmliche Titelblätter von Magazinen, kunsthistorische Anekdoten und natürlich eine Reihe mehr oder weniger bekannter Kunstwerke wurden zum Futter seines satirischen Repertoires.

Seine am Komischen orientierte Annäherung brachte seine Arbeiten auf die Seiten von Warhol's Zeitschrift Interview oder auch auf jene des Artforums und in Galerien sowie Museen rund um die Welt. Zusätzlich hat er eine Reihe von Büchern veröffentlicht, nicht nur zu technischen Fragen des Zeichnens, sondern auch zu so luftigen Themen wie der Zweite Weltkrieg oder die Bibel. Unter Kunstkritikern ist William Anthony beliebt, nicht zuletzt weil sein Spektrum des Spöttischen in der Kunst von Fragonard oder Bosch bis zu Manet und Hockney reicht. Er meint, kein Künstler sei ihm zu wichtig, um nicht hochgenommen zu werden, mehr noch, sie hätten Glück, dass er sich mit ihnen beschäftige, denn das sei nicht selten der Moment, wo der Spass in ihrer Kunst erst beginne. (Text: Janima Nam / Wolfgang Haas)



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