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ARAKI. "Ich-Fotografie" in der Albertina Modern

Kategorie: Ausstellung 7. Juni 2021

Viele Kunstfreunde verbinden den Namen des Fotografen Nobuyoshi Araki (*1940) vor allem mit pornografischen Aufnahmen von Bondage, von Sex und von Bondage-Sex. Nacktfotos und Geschlechtsakte sind in Arakis Kunst allerdings ein Thema unter vielen in einem überraschend vielschichtigen Gesamtwerk. Albertina Kurator Walter Moser wählte für die Schau "Araki – The Jablonka Collection" 285 Aufnahmen aus der Araki- Sammlung, die der deutsche Sammler und Galerist Rafael Jablonka der Albertina modern 2019 als Dauerleihgabe zur Verfügung stellte. Es sind hauptsächlich Schwarz-Weiß-Bilder, die Arakis Leben und sein Umfeld thematisieren.

Beginnend in den frühen Sechziger Jahren mit "Satchin und sein Bruder Mabo“, wo ein Junge aus der Arbeiterklasse mit der Kamera begleitet wird, geht es weiter mit dokumentarischen und teils humorvollen Werkserien über Tokios urbanes Leben und dessen Wandel und Umbrüche. Manchmal sieht man auch den Fotografen selbst in den Bildern, die Stadtbilder sind oft kombiniert mit Aktaufnahmen, die Gegensätze von Intimität und Aussenraum umso deutlicher herausarbeitend. Arakis "Ich-Fotografie" mit ihrer radikal subjektiven Sicht wurde letztlich zu einer Tradition in der Fotografie, die Generationen von Fotografen beeinflusst hat.

Ein zentrales Thema der Schau ist Arakis einflussreiche Fotoserie "Sentimental Journey" (Senchimentaru na Tabi, 1971–2010), ein langjähriges Projekt mit seinem eigenen Leben als Thema. Es sind tagebuchartige Aufnahmen von der Hochzeitsreise Arakis nach Kyoto und Kyushu mit seiner Arbeitskollegin und Ehefrau Aoki Yoko. Araki selbst meinte im Vorwort zu dieser Fotoserie, dass die Fotografie dem autobiographischen Roman am nächsten sei. Dieses Verständnis von Fotokunst, in denen die liebevollen Verflechtung der Beziehungen zwischen Fotograf und Protagonisten sichtbar wird, sollte zu einer der einflussreichsten Strömungen der Fotografie in Japan werden. Sein eigenes Leben in all seiner Intimität der öffentlichen Betrachtung in dieser Weise zur Schau zu stellen war im sittenstrengen Japan jener Zeit Anlass zu Kontroversen, bereitete letztlich aber den Weg für nachfolgende Fotografengenerationen, in dieser radikal subjektiven Form zu arbeiten.
Dennoch beschränkt sich Araki nicht darauf, nur seine Liebesbeziehung zu seiner Frau zu reflektieren, die Gesamtkomposition Sentimental Journey erzählt auch auf myhologische und universelle Weise von der Reise der Lebenden in das Reich der Toten und auch von der Präsenz der Verstorbenen unter uns Lebenden.
Senchimentaru na tabi fuyu no tabi (Sentimental Journey - Winterreise) ist eine weiterer berührender Teil seiner dreiteiligen Serie, die den Beginn der "Ich-Fotografie" markiert. Sie zeigt den etappenweisen Abschied von seiner krebskranken, damals 42jährigen Frau Yoko, von der Diagnose bis zum Totenbett.
Die dritte "Sentimental Journey"-Serie im Untergeschoß der Albertina Modern ("Spring Journey") zeigt Aufnahmen, die sich um den Tod der geliebten Katze Chiro drehen.
Nobuyoshi Araki versteckt nichts: Die Grenzen zwischen Eros und Thanatos, zwischen Kunst und Leben hat Araki verwischt, der Wahrheit, seiner Wahrheit bleibt seine Kunst immer verpflichtet. (Text: Cem Angeli)

Die Ausstellung ist noch bis bis 29. August 2021 in der Albertina Modern am Karlsplatz zu sehen.

https://www.albertina.at/


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