CONSTANTIN LUSER. Aus dem Inneren der Zeit
Ausgehend von seinem reichhaltigen zeichnerischen Werk hat Constantin Luser seine Ideen in die dritte Dimension, zu „Raumzeichnungen“ aus Draht und Messing weiterentwickelt, und im vorliegenden neuen Projekt der H(ofstätter)-Serie nun mit Objekten der Sammlung Hofstätter zu neuen Arbeiten verbunden.
Immer schon hat Luser aus der Komplexität heraus produziert. Eine Komplexität, die auf formaler Ebene verschlungene Konstruktionen generiert hat, als Formen, denen immer eine transformierende Dynamik innewohnt und die sich dem Betrachter nie auf vordergründig klare Weise darbieten, sondern immer als Übergang. Um sich auf diese Arbeiten einlassen zu können, muss man bereit sein zu experimentieren. Doch sogar mit dieser Bereitschaft besteht immer das Risiko, eine Art mentales und physisches Empfinden von Hilflosigkeit zu erleben, denn das Lesen seiner Vorschläge bleibt spröde, unstet und scheu. Dennoch, diese Widerständigkeit seines Werks ist keine gesuchte Eigenschaft, sondern hängt mit einer Einstellung zusammen, die von einem ernsthaftes Engagement zeugen - denn was vor uns vorgelegt wird, sind spekulative Vorrichtungen, die sowohl die höchstentwickelte Vernunft ansprechen als auch die pure Sinneserfahrung, die unter die Haut geht.
Lusers Arbeit speist sich aus der Literatur, der Poesie, der Wissenschaft und Philosophie und greift auf technische Ressourcen zurück, die kompliziert oder aber auch rudimentär sein können, wo Bild, Ton und Subtext ein Gewebe von großer Dichte bilden. Mit der Geometrie als Werkzeug zieht er lineare Strukturen, die die Leere als ein wichtiges Element wahrnehmen lässt, das in ständiger Wechselwirkung mit dem Volumen steht. In seiner poetisch-skulpturalen Logik sucht er eine räumliche Dramatik, indem er die Wahrnehmung von Zeit untersucht und sie materialisiert – als Sinneserfahrung der tagtäglich erlebten Zeit, der Zeit des Wartens und der Tätigkeit, der seltsamen Elastizität des Vergehens der Stunden, der komprimierten oder auch der vergeudeten Zeit, die unerbittlich von dem Ziffernblatt der Uhr droht. (Text: Cem Angeli)
Das könnte Sie auch interessieren
LISELOT VAN DER HEIJDEN. Der Blick im Visier
3. Juni 2009
GOTTFRIED HELNWEIN. Mein Schiele
3. April 2017
ALBERTINA TOURS & TALKS. Die Künstlerin Toni Schmale und Albertina Kuratorin Elsy Lahner führen durch die Ausstellung "Bruno Gironcoli – Toni Schmale"
5. Juli 2024
FASZINATION PAPIER. Albertina Generaldirektor Ralph Gleis über die erstaunliche Vielfalt eines fragilen Mediums
7. Jänner 2026
MICHELANGELO UND DIE FOLGEN. Ein Ausstellungsporträt
23. Oktober 2023
Rudolf Budja - Geschäft und Leidenschaft
10. Jänner 2008
SERIOUS FUN. Architektur & Spiele
5. April 2022
