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GUNTER DAMISCH. Felder, Welten (und noch weiter)

Kategorie: Porträt 25. November 2013

Machen und Sein sind ein und dasselbe für Gunter Damisch - in jeder Arbeit manifestiert sich nicht nur eine formale, sondern auch eine innere Notwendigkeit. Anlässlich der bist 23. Februar 2014 laufenden Ausstellung "Felder, Welten (und noch weiter)" in der Landesgalerie für zeitgenössische Kunst in St. Pölten hat CastYourArt ein Künstlerporträt gestaltet.

Als ob wir das Fragment eines Liedes pfeifen und uns nur kurz an die Melodie erinnern; durch die beharrliche Wiederholung der Liedpassage verlassen wir unbewusst die Originalidee, um ein neues musikalisches Ereignis zu erfinden: erkennbar, aber in seiner Dynamik und Struktur verschiedenartig, voller Abweichungen. Eine der auffälligsten Merkmale der Bildsprache von Gunter Damisch ist die ständige Abänderung der Bilder.

Diese verweigern ein Zentralthema, aber der Blick ist gezwungen, das Bild prozesshaft abzusuchen und bald Diskontinuitäten und Wiederholungen zu finden, die auf andere mögliche Routen hinweisen, von denen manche sich als unfertig und vom Rand der Leinwand unterbrochen erweisen. Ein Eindruck, der sich verstärkt durch Wiederholung der Formen und Beharrlichkeit des Wortschatzes, einer Strichführung, die einen speziellen Rhythmus verleiht. Es zeigt sich die selbe Unruhe, Kadenzen, die jedes Bild mit dem nächsten assoziieren, und jede Serie den anderen gegenüberstellt, aber auch in jedem Bild selbst, das einen Impuls aus dem Rahmen heraus zu haben scheint. Der Blick ruht sich nicht auf dem einen oder anderen Punkt aus, sondern vertieft sich in ein Labyrinth, in dem der Rhythmus wichtiger als das Einzelmotiv ist. In diesem expansiven Zustand der Malerei werden in einem einzigen Platz widersprüchliche und verschiedene Formen und Motive vereint.

Die Komponenten werden nicht hierarchisiert bzw. in einem oder mehreren Zentren der Aufmerksamkeit (Objekte, Gesichter etc.) verdichtet, um den Rest des Bildes zu einer reinen Umgebung für das Hervorzuhebende zu bestimmen. Der Blick sieht sich vielmehr einem Chaos der Wahrnehmung gegenüber, das man bereisen muss, um in manchen Zonen stehen zu bleiben, und dann doch immer von Neuem zur Totalität des Bildes zurückzukehren. Wir kommen so zu einem Nullpunkt der Wahrnehmung, in dem sich das Bewusstsein mit dem Sinnesreiz vermengt, ohne die Bedingungen des Vorwissens Formen und Farben genießt, und eine Art Freude am urtümlichen Schauen sucht.

Damisch entwickelt eine zwanghafte, manische Vorgangsweise, die daraus entsteht, das Bild aufzubrechen, zu überschreiten und auszuweiten, letztlich aber auf dem Motiv zu bestehen und seine Möglichkeiten auszubreiten, ausgehend von den kuriosesten Variationen. Diese sind übersät von nervösen Verbindungen und seltsamen Fortsätzen. Die Suche nach dem verlorenen Objekt lässt einer Dimension des Traumes die Zügel schießen, die mehrdeutig aufgeladen ist, wie eine Wirklichkeit an die wir uns nur mehr vage erinnern. Die Tatsache, dass es viel zu sehen gibt, heißt allerdings nicht, dass das Bewusstsein nicht in der Lage sei, alles zu erfassen und die Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten. Die langsam ausgearbeiteten Bilder von Damisch zeigen, dass es viel mehr gibt als eine oberflächliche Schicht von Bildern, die uns zumindest momentan den Alltag versüßt – doch gelingt es ihm immer, einen spielerischen Ton aufrechtzuerhalten.

Die Bilder von Damisch verfügen über ihre eigene Elementarsprache, die den Bildraum durch aufeinanderfolgende Schreibspuren, Striche, Linien und Formen strukturiert, die vom Malakt selbst verlangt werden und auf einen Horizont hinweisen (stilistisch oder konzeptuell) der vorher festgelegt wurde. Eine Sprache für die es kein Wörterbuch gibt, weil es in jedem Bild neu konstruiert wird und den Anforderungen unterworfen ist, die sich in jedem Einzelfall stellen. Es sind spektakuläre Spiele mit einer fraktalen Bilderwelt – verästelt, verzweigt, sehnig, verknäuelt, körnig; Flecken, Linien, Fragmente, die eine Energie entfalten, die nur erfasst werden kann, wenn man sich in die Strukturen vertieft. Damisch seziert die Teile durch einen präzise chirurgischen Mal-Akt, ähnlich der Autopsie einer Leiche. Diese analytische Vorgangsweise scheint dem Maler zu helfen, einige der verworrensten Knoten seiner eigenen Psyche zu lösen, und wenn nicht, dann vielleicht dem Betrachter. Gunter Damisch wurde 1958 in Steyr geboren. Er lebt und arbeitet in Wien und Freydegg. (Text: Cem Angeli)

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