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K.U.SCH. Eine Themenpalette

Kategorie: Porträt 9. Oktober 2014

ZeitKunst Niederösterreich zeigt in der Shedhalle St. Pölten die erste umfassende Retrospektive über das Künstlerkollektiv K.U.SCH., kuratiert von Hartwig Knack und Alexandra Schantl.

Das Künstlerduo und Paar Renate Krätschmer und Jörg Schwarzenberger (beide 1943 geboren) begann 1972 unter dem Namenskürzel K.U.SCH. disziplinenübergreifende Kunstprojekte zu entwickeln. Ab 2006 kam der gemeinsame Sohn Sito Schwarzenberger als Mitglied hinzu, der das Schaffen des Kollektivs um Kunst mit den neuen Medien erweitert.

In der erstaunlich reichhaltigen Schau des Landesmuseums Niederösterreich gibt es einen Gesamtüberblick über mehrere Jahrzehnte Kunstproduktion. Es sind Kunstobjekte dabei, wie die „Hodenbremse“, die „Geburtsbrille“ oder der „Kopfüber-Zwerg“, Konzepte zur Land-Art, Masken, Schilder und sog. Ritualstäbe, aber auch Experimentalfilme und Performances sind zu besichtigen.

Einer der Aspekte, der das Gesamtkunstwerk von K.U.SCH. charakterisiert, ist die kritische Einstellung zur Wirklichkeit und das Engagement in einer konkreten historischen Situation. Sie bedienen sich dabei verschiedener Kunstsparten wie Objektkunst, Malerei, Grafik, Film, Musik, Performance und Theater. Sie holen die Kunst von ihrem Sockel herunter und integrieren sie in das tägliche Leben, mit neuen Materialien und neuen Ausdruckmitteln, sie haben Gegenstände aus den unterschiedlichsten Bereichen genommen und in ihre Kunst integriert, in Kunst umgewandelt. Sie arbeiten interdisziplinär, disziplinenübergreifend.

Diese Freiheit als befreiende Energie, erlebt als Verbindungskanal zum Publikum, als Vehikel für den persönlichen Ausdruck, und als Raum für politische Manifestation kennzeichnet einen großen Teil der Arbeit von K.U.SCH.

In diesem Sinne sind die Künstler von K.U.SCH. Produzenten einer Kunst, in der diverse Komponenten, die einen gemeinsamen Nenner haben, vereinigt sind: die Vorherrschaft einer aggressiven Expressivität, die intentionale Reduktion der Botschaft auf das höchstverdichtete Minimum und die Überzeugung von einer poetischen Künstlichkeit des Engagements.

1978 haben sich Krätschmer und Schwarzenberger, die beide an der Akademie für Angewandte Kunst studiert haben, vom Akademiebetrieb zurückzogen aufs Land. Sie arbeiteten auf ihrem Hof, einem Bauernhof bei Melk, in Straßen und Plätzen ebenso wie an den Stätten des Kunstbetriebs. Ihre Performances entstanden als Hybride, die sich dennoch aus der Tradition nährten, wie der Malerei und Grafik, der Bildhauerei, der Musik, Poesie, dem Theater und Tanz, sowie auch aus neuen Kunstformen wie Experimentalfilm, Videokunst, Installation und digitaler Kunst -und außerkünstlerischen Quellen, wie Ethnologie, Soziologie, Brauchtum und religiösen Riten. Das Resultat ist eine Kunst, die durch die Fugen des öffentlichen Bewusstseins einsickert.

Diese expressive Potenz der Performativität im Schaffen von K.U.SCH. hat eine Vielzahl von Ebenen, Ansätzen, und Nuancen hervorgebracht, was eine Kunst hervorbringt, die sich ständig wiedererfindet und transformiert. Mit ihrer wandelbaren und vielseitigen Physiognomie hat sie nicht eine, sondern viele Geschichten. (Text: Cem Angeli)

Jörg Schwarzenberger ist im Dezember 2013 verstorben.

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