BLUTREGEN. Fotografie und Waffenhandel
Waffenhandel wird meist in Zahlen erzählt: in Mengen, Umsätzen und politischen Vereinbarungen. Doch hinter diesen Zahlen stehen Menschen, deren Leben durch Waffen verändert, bedroht oder ausgelöscht wird. Wie lässt sich diese menschliche Dimension sichtbar machen? Und welche Rolle spielen dabei Bilder, die unseren Blick auf Krieg, Gewalt und andere Gesellschaften seit Generationen prägen?
Die Ausstellung Blutregen. Fotografie und Waffenhandel im Weltmuseum Wien nimmt ihren Ausgangspunkt in einer überraschenden Lücke der eigenen Sammlungen. Während historische Fotografien Menschen aus dem Globalen Süden mit modernen Feuerwaffen zeigen, finden sich in der Objektsammlung vor allem Bögen, Pfeile und Speere. Was erzählt diese Diskrepanz über die Art und Weise, wie gesammelt, geordnet und Geschichte geschrieben wurde? Und welche kolonialen Vorstellungen prägen bis heute unseren Blick auf Waffen und jene, die sie tragen?
An der Schnittstelle von Fotografie, Kunst und Geschichte entfaltet sich ein vielschichtiges Bild des Waffenhandels und seiner Folgen. Die Ausstellung führt in die kolonialen Machtverhältnisse um 1900, beleuchtet die Verflechtungen von Fotografie und Waffenhandel und zeigt, wie Künstlerinnen und Künstler auf die Gewalt ihrer Zeit reagiert haben – zwischen der Angst vor atomarer Vernichtung und dem Anspruch, sich gegen Unterdrückung und Imperialismus verteidigen zu können.
Dabei richtet sich der Blick nicht allein auf die Waffen selbst, sondern auch auf das, was Menschen ihnen entgegensetzen: auf spirituelle Praktiken, schützende Objekte und den Versuch, angesichts von Gewalt Handlungsmöglichkeiten zu bewahren. Künstlerische Arbeiten führen zugleich vor Augen, wie weit die Folgen von Krieg reichen können. Vertreibung, der Verlust familiärer Bindungen und das Verschwinden der eigenen Lebensgeschichte enden nicht zwangsläufig mit dem Ende der Kampfhandlungen. Sie wirken über Generationen fort.
Die Ausstellung stellt damit auch die Frage, wer Geschichte erzählen darf und aus welcher Perspektive. Fotografien sind Zeugnisse vergangener Wirklichkeiten, aber sie sind niemals bloß neutrale Abbilder. Sie prägen Wahrnehmungen, transportieren Machtverhältnisse und entscheiden mit darüber, wer sichtbar wird und wer unsichtbar bleibt. Die Auseinandersetzung mit den eigenen Sammlungen wird so zu einer Auseinandersetzung mit den Voraussetzungen, unter denen Museen Wissen produzieren und vermitteln.
Im Film sprechen Claudia Banz, Direktorin des Weltmuseums Wien, und die Kuratorin Hanin Hannouch über die Entstehung der Ausstellung, ihre historischen und gesellschaftlichen Dimensionen und die Fragen, die sie selbst daraus mitnehmen. Es geht um Waffen und ihre Bilder, um Gewalt und Widerstand, um die Verantwortung von Museen – und um ein menschliches Bedürfnis, das keine geografischen oder historischen Grenzen kennt: den Wunsch nach Schutz und einer Zukunft, in der das Leben der kommenden Generationen möglich bleibt.
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