FASZINATION JAPAN. Monet · Van Gogh · Klimt
Länglich gestreckte Bildformate, asymmetrische Kompositionen, Vogelperspektiven, leere Bereiche mit nur abstrakten Linien und Formen, vibrierende Farbflächen, dekorative Motive: Dies sind Eigenschaften der japanischen Ästhetik, die ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts bis in die 1930er Jahre hinein enormen Einfluss auf die europäische Kunst genommen hat.
1867 nahm Japan an der Weltausstellung in Paris teil, mit einem seiner typischsten Produkte: Tee. Der japanische Tee war der Grund dafür, dass eine große Menge eines bestimmten japanischen Druckes exportiert wurden, nämlich chirimen-e – eine billigere Version des ukiyo-e (wörtl. „Bilder der fliessenden Welt“) – auf Krepp, denn viele der Teeverpackungen enthielten solche Drucke. Diese Drucke waren in Japan keineswegs als eine Kunstform anerkannt, sie waren eher ein Zeitvertreib.
Ab dann, auch gefördert durch weitere Weltausstellungen in Paris und Wien, wurden nicht nur die Drucke, sondern auch andere japanische Erzeugnisse – Lackschachteln, Stoffe, Farbholzschnitte – zu Exportschlagern nach Europa, die das Aufkommen des „Japonismus“ auslösten. Ab den 1890ern waren Farbholzschnitte mit ihren erzählerischen Bildmotiven –Theaterschauspieler, Geishas, Naturbetrachtungen, Alltagsszenen, Jahreszeiten – als Massenware in den großen Kaufhäusern von Paris erhältlich.
Der Ausdruck „Japonismus“ wurde erstmals vom Kunstkritiker Philippe Burty 1876 für diese Faszination für Japans Ästhetik verwendet, die bis in die 1930 Jahre anhielt. Die Ausstellung „Faszination Japan“ im Kunstforum, kuratiert von Evelyn Benesch, zeigt die enorme Bandbreite der fernöstlichen Ästhetik als künstlerische Inspirationsquelle in ganz Europa – vorrangig zunächst in Frankreich, aber spätestens ab der Wiener Weltausstellung 1873 auch in Österreich. Hans Makart, Koloman Moser, Egon Schiele und Gustav Klimt, dessen Bild „Nixen-Silberfische“ (1902) der Bank Austria - Sammlung entstammt, waren von der japanischen Ästhetik fasziniert. Aus Klimts eigener Japan-Sammlung sind Farbholzschnitte, Netsuke-Figuren, eine No-Maske zu sehen. Insgesamt sind 40 europäische und 20 japanische Werke im Kunstforum ausgestellt, Gemälde und Druckgrafik, aber auch Objekte und Möbel, wie etwa ein Paravent von Pierre Bonnard. Vom Secessionisten Emil Orlik, einer der wenigen Künstler, der selbst nach Japan reiste, gibt es eine Serie mit Farbholzschnitten.
Europäische Kunstrichtungen wie die Impressionisten, der Blaue Reiter oder auch die Nabis waren beeindruckt von den nicht zentrierten, fotografischen Bildausschnitten, von der Linie als Mittel zur Hervorhebung des Volumens von Figuren – ohne Schatten – sowie von den kühnen Perspektiven. Van Gogh liess sich von diesen fluchtpunktlosen Perspektiven inspirieren, auch die Farbgebung beeinflusste beispielweise seine Baumdarstellungen, mit ihrer Bewegung, den Ästen im Vordergrund und den charakteristischen Krümmungen der Stämme.
Drei zeitgenössische österreichische Künstlerinnen aus drei Generationen, Margot Pilz, Eva Schlegel und Stephanie Pflaum, haben eigens für diese Ausstellung Rauminstallationen zum Thema „Teehaus als Ort der Begegnung“ gestaltet.
Franz Marcs „Die weiße Katze“ (1912) gemahnt an die Tierstudien des Hokusai, Degas‘ Frauendarstellungen ähneln denen Utamaros, ob Van Gogh („Großes Nachtpfauenauge“ 1889), Monet, Cézanne, Vallotton, Vuillard oder Manet und Munch: Die Ausstellung zeigt, dass die klassische Moderne ohne Japans Einfluss kaum vorstellbar wäre. (Text: Cem Angeli)
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