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GÖTZ VALIEN. Verführen und Verführung offen legen

Kategorie: Porträt 16. September 2009

Götz Valien bezeichnet sich als Bildermacher. Das lässt mehr an Handwerk als an Kunstwerk denken. Indem man in seinen Arbeiten jedoch auf kollektives Bildgut trifft, verliert die Selbstbezeichnung Bildermacher die Einfachheit, zu der sie auf den ersten Blick einmal verführt.

Es ist nicht von vornherein dasselbe, ob einer Bilder malt oder sich malend mit der Machart des Phänomens Bild auseinandersetzt. Als Bildermacher interessiert sich Götz Valien für den Wirkungsgrad von Bildern, dafür, wie bildliche Sprache emotional, bewusst, unbewusst etwas auslöst, das tief im Menschen sitzt. In seinen Arbeiten nutzt er diese Effektivität und legt sie zugleich auch bloß. Das ist der programmatische Teil seiner Bildermacherkunst.

Die Wunschvorstellungen offerierenden Bildsprache der Unterhaltungs- und Werbeindustrie heutiger und früherer Zeiten, insbesondere des Art Déco, nutzt der Künstler. Er bedient sich ihrer Sujets, diese geplanten Wirklichkeitsträume bricht er durch surreale Überhöhung und die Einbindung typografischer Elemente. Der reale Kontext, den seine Bilder zitieren, wird zum virtuellen Bild, zum Wunschbild. Realität wird als virtueller Realismus offen gelegt.

"Egal ob Kitsch, Klischee, Werbung, Kalauer oder erhabene Kunst, es muss gleichermaßen verführen und trotzdem diese Verführung als Verführung offen legen können, um einen wirklichen 'spirituellen Mehrwert' zu erzeugen." sagt Valien. Um solcherart beim Betrachter Eindruck zu wecken und Bewusstsein für das Eindrückliche, greift er auf seine Erfahrungen als Zeitgenosse einer medialisierten und populistischen Welt zurück, aber auch auf die Klaviatur malerischer Mittel und ihrer Reflexion, die uns die Kunstgeschichte zur Verfügung stellt. Art Deco artige Innen- und Außenräume, Visionen des modernen Lebens gemalt in der Ikonographie der zwanziger Jahre, Begehrlichkeiten – Schönheit, Exklusivität, Reichtum, Leidenschaft, Sinnlichkeit, Sex, Fortschritt – die in die Bildsprache früherer Zeiten und in die Werbeikonographie von heute verweisen, auch die aktuelle Kunstwelt wird herbeizitiert: "No Buy Oshi" wächst in 20th Century Fox Intro Lettern (oder sind es doch die von Universal Picture) in den Abendhimmel, im Vordergrund eine entfesselte Frau.

Aufgewachsen ist der 1960 geborene Künstler in Salzburg, heute lebt Götz Valien in Berlin und arbeitet dort neben seiner Bildermachertätigkeit zugleich als der letzte Kinoplakatmaler der Stadt. Dieses Handwerk, sagt er, habe er eine Zeit lang für sich strikt von der Kunst getrennt. Bei genauerer Betrachtung aber überlagert es sich mit seinem Tun als Bildermacher virtueller Realität.

Plakatarbeiten Götz Valiens sind noch an den Fronten des Kino International oder auch des Zoo Palast zu sehen, seine Bilder finden sich inzwischen auf der Preview Berlin ebenso wie auf der Scope Miami, London oder New York. (Text: Wolfgang Haas)

http://www.valien.de/


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