LA MERAVIGLIA. Die Kunst des Staunens
In seinem Haus in Bozen, wo Wohnraum und Atelier nahtlos ineinander übergehen, begegnen wir dem Künstler Robert Pan – umgeben von Werken befreundeter Künstler:innen und den eigenen, in jahrzehntelanger Praxis gewachsenen Arbeiten. Der Film sucht nicht die schnelle Antwort, sondern das leise Gespräch. Er folgt dem Künstler dorthin, wo Form aus innerem Drang entsteht und Material zu Sprache wird.
Pans Kunst ist keine Oberfläche – sie ist Verdichtung. Schicht um Schicht trägt er Harze, Pigmente und Gewebe auf, um sie später wieder freizulegen, zu verletzen, zurückzunehmen. Die Arbeiten erinnern an geologische Formationen, an Stalaktiten, an Jahresringe – und folgen doch keiner reinen Naturformel, sondern einer tief empfundenen inneren Ordnung. Präzision und Disziplin, Klarheit und Intuition verbinden sich in einem Schaffen, das ebenso rational wie poetisch ist. In diesem Spannungsfeld offenbart sich auch die Persönlichkeit des Künstlers: ein Mensch mit scharfem Blick für Proportion, mit feinem Gespür für Harmonie, mit unerschütterlicher Hingabe an das Eigentliche – das Wesentliche der Form.
Robert Pan spricht von Schönheit nicht als bloßer Ästhetik, sondern als ethische Entscheidung inmitten einer Welt, die sich oft dem Hässlichen überlässt. Für ihn bedeutet Schönheit nicht Bequemlichkeit, sondern Haltung. Seine Arbeiten sind nicht Ausdruck eines Zeitgeistes, sondern Ausdruck seiner selbst – und insofern von radikaler Gegenwärtigkeit.
Neben dem Atelier begleitet der Film Pan in die Hofburg Brixen, wo seine Werke mit den barocken Beständen der Sammlung in Dialog treten. Hier trifft kontemplative Tiefe auf barockes Pathos – eine Begegnung, in der sich künstlerische Zeitgenossenschaft als zeitlose Geste erweist.
Dabei verfolgt der Film keine kunsthistorische Analyse, keine didaktische Erklärung. Er gibt vielmehr jenen Gedanken Raum, die den Künstler umtreiben, wenn er über sein Tun reflektiert. Was treibt ihn an? Wo beginnt eine Arbeit, und wo endet sie? Welche Rolle spielt das Unvorhersehbare? Und woran erkennt man, ob ein Werk „wahr“ ist? Diese Fragen bilden das innere Gerüst des Films – leise gestellt, eindringlich beantwortet.
Robert Pan sagt, Kunst sei eine Sucht. Vielleicht ist sie auch eine Form von Erkenntnis. Wer sich auf seine Werke einlässt, blickt in Tiefen, in denen sich Licht und Materie begegnen – und mit jedem Blick neu beginnen.
https://www.robertpan.com/Das könnte Sie auch interessieren
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