ANSELM KIEFER. Die Arbeit am Mythos Mensch
Wir haben Anselm Kiefer zu seiner Arbeit am Mythos Mensch interviewt anlässlich seiner Ausstellung im Albertina Museum in Wien.
Kiefer macht die Materie und die Materialität der Malerei zum Ort, an dem sich der Übergang von der Idee zum Werk vollzieht. Sonnenblumen und Samen sind Metapher, Ressource und Bildmaterial. Zeit wird auch zum Teil seines Werks und nicht nur metaphorisch, sondern real durch Verfärbung und Verfall.
In seinen Analogien zwischen Mikro- und Makrokosmos, Mensch und Universum, gebraucht er Versatzstücke der Geistes- und Kulturgeschichte, um ihnen in intuitiven Arrangements neue Aussagen abzuringen.
Kiefer ist ein literarischer, spiritueller und philosophischer Künstler zwischen Kunst und Wissenschaft, der unter kritischer Aneignung der Mythen der Geschichte die Gültigkeit der Narrative wiederherstellen will, die einen Rahmen für die Interpretation unseres Lebenssinnes abgeben.
Als Träger des Merkmals der Grandiosität des Künstlers, nämlich des narzisstischen Glaubens an die Allmacht des künstlerischen Denkens, identifiziert sich Kiefer mit den Kultfiguren der deutschen Mythen und deren Hybris.
Die Identifikation und Nachahmung bringt das Streben mit sich, diese Ursymbole und Materialien der Macht in eine reine spirituelle Form zu transformieren, diese alchemistische Wandlung kann aber nur bewerkstelligt werden, wenn man in sich den Willen zur Macht nachvollziehen kann. (Text: Cem Angeli)
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