IM ERWEITERTEN RAUM. Wenn Kunst Begegnung schafft
Was geschieht, wenn Malerei und Zeichnung die Fläche der Leinwand verlassen und sich im Raum, im Dialog und in der Begegnung entfalten? Die Ausstellung Im erweiterten Raum im Künstlerhaus Vereinigung Wien – mit ausgewählten Werken aus der STRABAG ART Collection – eröffnet genau ein solches Feld der Wahrnehmung: eines, in dem Bilder nicht nur betrachtet, sondern erlebt, durchschritten und befragt werden.
In unserem Ausstellungsportät reflektieren die Künstler:innen Natascha Schmitten, Robert Gabris und Stefan Peters gemeinsam mit dem Direktor des Künstlerhauses Günther Oberhollenzer und STRABAG ART-Leiter Sebastian Haselsteiner darüber, was es heute bedeutet, mit und in Bildern zu arbeiten. Es entsteht keine einheitliche Erzählung, sondern eine Konstellation von Zugängen zu Malerei und Zeichnung als lebendige, relationale Praktiken.
Für Natascha Schmitten beginnt Malerei in Momenten, in denen Gegensätze sich berühren: Abstraktion und Gegenständlichkeit, Nähe und Distanz, Körper und Wahrnehmung. Ihre Arbeiten bewegen sich in einem Raum des Werdens – in dem Verbindung stets kurz davor ist, sich zu formen, aber nie endgültig fixiert wird. In diesem fragilen Zwischenraum verortet sie das Wesen künstlerischer Erfahrung: eine Möglichkeit von Berührung, die körperlich, visuell oder zutiefst innerlich sein kann.
Robert Gabris eröffnet eine weitere Dimension der Ausstellung: jene des Erzählens als Widerstand und Selbstbestimmung. Seine Arbeit speist sich aus mündlichen Traditionen, aus queeren und Roma-Narrativen, die oft aus dem institutionellen Gedächtnis ausgeschlossen wurden. Indem er diese Geschichten in den Museumsraum bringt, schafft er Orte der Sichtbarkeit und Begegnung – in denen Geschichte nicht nur repräsentiert, sondern aktiv neu erzählt wird. Seine Praxis beharrt auf einer klaren Geste: Geschichten müssen von denen erzählt werden, denen sie gehören.
Stefan Peters wiederum denkt Landschaft als konstruiertes Wahrnehmungsfeld neu. Seine Bilder sind keine Abbilder eines Ortes, sondern Einladungen, das Sehen selbst zu betrachten. Durch geschichtete Strukturen, verschobene Perspektiven und sichtbar bleibende Prozesse des Entstehens wird Malerei zu einer aktiven Erfahrung – einer, die das Publikum dazu auffordert, das Bild im eigenen Denken zu vervollständigen. Was auf den ersten Blick vertraut erscheint, wird zu einem Raum von Bewegung, Ambivalenz und Beteiligung.
Kuratorisch wird die Ausstellung vom Gedanken des Dialogs getragen – zwischen Werken, Medien, Generationen und Perspektiven. Wie Günther Oberhollenzer betont, geht es bei "Im erweiterten Raum" nicht nur darum, Malerei und Zeichnung zu zeigen, sondern die Art und Weise ihrer Wahrnehmung zu erweitern: in den Raum, in die Bewegung, in die gelebte Erfahrung hinein. Die Ausstellung wird so zu einem Geflecht von Beziehungen, in dem Verbindungen manchmal sichtbar, manchmal subtil, aber stets präsent sind.
Gleichzeitig bildet die STRABAG ART Collection selbst einen wesentlichen Teil dieses Dialogs – als kontinuierliches Engagement, zeitgenössische Kunst in öffentliche und gemeinsame Räume zu bringen. Statt im Depot zu verschwinden, treten die Werke in Umlauf, in Begegnung und Sichtbarkeit in unterschiedlichen Kontexten. In diesem Sinne ist die Ausstellung nicht nur Präsentation, sondern auch Einladung: Kunst als etwas zu verstehen, das sich zwischen Institutionen und Publikum, zwischen privatem Engagement und öffentlicher Erfahrung bewegt.
Im erweiterten Raum schlägt letztlich eine einfache, aber radikale Idee vor: dass Malerei und Zeichnung nicht auf Oberflächen beschränkt sind, sondern sich in Beziehungen entfalten – zwischen Bild und Betrachtung, zwischen Erzählung und Raum, zwischen dem, was gesehen wird, und dem, was noch zu imaginieren ist.
https://strabag.art/Das könnte Sie auch interessieren
MICHAELA FRÜHWIRTH. Handeln, erdwärts
3. Mai 2018
PAUL GAUGUIN. Grenzen durchbrechend in Farbe und Kultur
15. Oktober 2024
REBECCA SAUNDERS. Rockaby (2017-2024)
29. März 2024
EVA SCHLEGEL. SPACES. Atelierbesuch
22. Juni 2018
ARNULF RAINER. Das Verhüllen
9. August 2011
MIQUEL BARCELÓ. Vom Physischen zum Metaphysischen
18. Dezember 2012
RITA NOWAK. Tableaux vivants
28. Mai 2008
